CoHabitats
Das bearbeitete Gebiet befindet sich im Nord-Westen Frankfurts, im Stadteil Heddernheim. Seit 1987 befand sich hier das Lurgi-Haus, der ehemalige Firmensitz der Lurgi AG, wurde allerdings kürzlich abgerissen.
Mein Vorschlag zur Bebauung befasst sich mit der Thematik, biodiversitätsfördernde Räume im städtebaulichen Kontext, mit Wohnbebauung und einem kulturellen Mehrwert zu vereinen. Der Standort eignet sich besonders durch die Nähe zu bestehenden Biotopen (Riedwiesen, Bornfloßquelle) und weist eine hohe Dichte an gefährdeten Arten auf.

Biodiversität ist nicht gleichzusetzen mit Artenvielfalt, sondern beschreibt das Zusammenspiel von Arten, Lebensraum und genetischer Vielfalt. Aus diesem Grund wurde vorab eine umfangreiche Zielartenliste auf Grundlage des Arten- und Biotopschutzkonzepts der Stadt Frankfurt erstellt, mit circa 50 in dem gebiet zu erwartenden, gefährdeten Arten und deren individueller Habitatsansprüche. Die Dimensionierung und Zonierung der Habitate wurde in Absprache mit dem Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum vorgenommen.

Durch den Abriss des Bestandsgebäudes sind auf dem Gebiet große Höhenunterschiede von bis zu 6m entstanden, welche sich für Etablierung von Stillgewässern und Feuchthabitaten und den gezielten Einsatz eines Feuchtegfälles im boden eignen. Für die am höchsten gelegenen Flächen wurde daher keine Bodenbearbeitung vorgenommen und als Rohboden belassen. Die restlichen Flächen (Streuobstwiesen, Trocken- und Magerrasen und Feuchtgebiete) werden gezielt rekultiviert mit ökologisch wirksamen, natürlichen Methoden.

Die Wohnbebauung ist entlang der Wegedecke angeordnet und besteht aus einzelnen solitären Mehrfamilienhäusern. In der Mitte des Grundstücks schweben über der Wasserfläche einzelne, frei zugängliche Pavillons, welche über einen Laufsteg, beginnend von dem westlich angeordneten Empfangsgebäude verbunden werden und mit einem barrierefreien Aussichtsturm enden. Ziel dahinter ist es, aus der Fläche neben Lebensraum auch einen kulturellen Mehrwert in Form eines dritten Ortes zu schaffen und den Raum so erlebbar zu machen. Für die Arten werden zudem Rückzugsorte vorgesehen, welche mit gelegten Hecken (Hedgelaying) vor unbefugtem Eindringen und Vandalismus geschützt werden. Diese Hecken sind lebendig und wesentlich dichter als klassische Hecken.

Besucherbereich



Wohnbebauung
Die Wohngebäude wurden so konzipiert, dass ausschließlich wiederverwndbare Materialien zum Einsatz kommen und so wenig Lebensraum wie möglich beansprucht wird.
Als Fundament wurden geschraubte Stahlfundamente gewählt. Diese sind sofort belastbar und mit geringem Aufwand rückstandslos rückbaubar. Die eigentliche Konstruktion liegt auf einem Stahlgerüst, drei Meter über dem Boden und ist als Holz-Ständerkonstruktion mit Strohballendämmung und Lehmputz ausgeführt.
Um den Kühlbedarf in der Heizperiode zu reduzieren sind ober- und unterhalb der Fenster Nachtluftklappen konzipiert, wodurch in den Räumen ein thermischer Strom erzeugt wird. Ergänzend dazu wird die warme Luft in das unbheizte Treppenhaus geleitet. Das oberste Stockwerk des Treppenhauses ist mit dunklem Stehfalz ausgekleidet und heizt im Sommer stärker auf. Auf diese Weise entsteht eine Solarkamin-Wirkung und die Hitze wird noch effektiver abgeführt.
Um diesen Effekt noch zu verstärken, sind die meisten Wohnhäuser entlang der Wasserflächen angeordnet, um die verdunstungsgekühlte Luft zu nutzen.








Masterthesis Zukunftssicher Bauen M.Eng.
Freies Thema: Städtebaulicher Entwurf mit Schwerpunkt Biodiversitätsentwicklung
Note: 1,2
Erstprüfer: Prof. Anja Willmann
Zweitprüfer: Prof. Dr. – Ing. Jan Dieterle
Prüfungsdatum
12/01/2026